Aphorismen zu lesen oder gar zu schreiben und zu veröffentlichen ist anachronistisch. Sie wurden ersetzt durch eine Sprüche-Industrie. Die hat sich auf T-Shirts, Tassen, Deko-Gegenständen und Postkarten ausgebreitet. Dabei ist noch immer eine Kunst, mit wenigen, wohl gesetzten Worten eine Lebensweisheit oder besondere Einsicht auf den Punkt zu bringen.
Mir ist die Gattung Aphorismen 2019 als DAphA-Aphorismenwettbewerb über den Weg gelaufen. Ich bin mit einem Aphorismus zum Thema „Streitbar und umstritten“ in die 2020 erschienene, von Friedemann Spicker und Jürgen Wilbert herausgegebene Anthologie gekommen. Seither hat sich die Gattung bei mir festgebissen. Dem Verfassen von Aphorismen liegt eine spezielle Denk- und Arbeitsweise zugrunde, die mir offenbar liegt.
Mein erstes selbstveröffentlichtes Buch „Glatte Lügen“ wurde ein Band mit Aphorismen und Sentenzen, den die herausragende Grafikerin Silvia Grüner gesetzt und gestaltet hat. Sie hat das so gut gemacht, dass ich von einer Verlagsveröffentlichung, die möglich gewesen wäre, Abstand genommen habe. Ihre Gestaltung war einfach so viel schöner als die Verlagsbücher.